10 Thesen zur digitalen Transformation – Teil 1

Mit der Verfügbarkeit großer Datenmengen und neuen Verarbeitungsmöglichkeiten sind im Rahmen der digitalen Transformation viele neue Geschäftsmodelle entstanden. Sie haben das Potenzial, ganze Märkte auf den Kopf zu stellen, und bieten eine große Chance für etablierte Unternehmen, sich auf die Gewinnerseite der digitalen Transformation zu schlagen. Worauf müssen sich Unternehmen also einstellen und wie gestalten sie ihre Softwarelandschaft um, damit sie für den digitalen Wandel gut aufgestellt sind?

 

Der digitale Wandel treibt die gesamte Wirtschaft um, denn es gilt, die Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle zu schaffen. Doch viele Unternehmen haben Mühe, sich anzupassen und die neuen Chancen, die durch diesen Wandel entstehen, zu nutzen. Bei aller Verunsicherung ist der Kern der digitalen Transformation jedoch relativ simpel erklärt: Er besteht darin, dass Software zunehmend Einzug in traditionelle Geschäftsprozesse hält. Diese Entwicklung ist unumkehrbar, jedoch ist sie keineswegs negativ zu bewerten. Sie bringt Unternehmen lediglich dazu, bestehende Geschäftsmodelle weiterzudenken und weiterzuentwickeln, wovon sie selbst und zusätzlich ihre Kunden profitieren können. Ihren wohl wichtigsten Impuls erhält diese Entwicklung durch Daten: zum Beispiel von Sensoren in Produkten oder Fertigungsanlagen, von E-Commerce-Kunden oder Fahrzeugen, die an Supply-Chains oder Logistikprozessen beteiligt sind. Sie alle und viele weitere Akteure in der modernen digitalen Welt erzeugen neue Arten von Daten. Diese Daten unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichen Transaktionsdaten (ERP-Daten), bei denen ein physischer Kunde ein physisches Produkt bestellt und damit eine sehr überschaubare Anzahl von Daten entsteht. Physische Einheiten erzeugen von Natur aus keine wirklich großen Datenvolumen, kein „Big Data“. Digitale Datengeneratoren dagegen unterliegen diesen Beschränkungen nicht. Sensoren sammeln ununterbrochen Daten. Daher muss das batchbasierte ETL-Verfahren (Extract, Transform, Load), mit dem bisher etwas mühsam Daten aus mehreren unterschiedlichen Datenquellen verarbeitet wurden, durch eine integrierte Streaming-Technologie abgelöst werden.

Der digitale Zwilling physischer Dinge

Ein zentrales Element der digitalen Transformation besteht in der Überführung der physischen Welt der Dinge in die digitale Welt. Somit wird von greifbaren Dingen ein „digitaler Zwilling“ erschaffen. Diese Transformation erzeugt laufend wertvolle Daten, die von geeigneten Tools und Algorithmen analysiert werden können und neue Erkenntnisse liefern, so dass der digitale Zwilling dazu beiträgt, sein physisches Pendant erheblich zu verbessern. Zudem kann ein Eingreifen in die Supply Chain oder in technische Abläufe zuvor am digitalen Zwilling erprobt werden. Hat die Anpassung gewisser Faktoren wirklich positive Auswirkungen zur Folge? Mit welchen negativen Nebenwirkungen muss gegebenenfalls gerechnet werden und wie können diese aufgefangen werden? Das digitale Double liefert dazu belastbare Erkenntnisse.

Einzelhändler oder Software-Unternehmen?

Ein Vorbild für eine sehr erfolgreiche und äußerst disruptive digitale Transformation ist Amazon. Amazon wird oft als Einzelhändler der neuen Generation bezeichnet, doch tatsächlich handelt es sich um ein Softwareunternehmen, das gelernt hat, über das Internet Bücher und zugehörige Artikel zu verkaufen. Im Zuge seines Erfolgs bot Amazon zunächst eine Verkaufsplattform und später eine Softwareplattform mit Cloud-Diensten an. Die Frage ist nun, welche Branchen nach dem Einzelhandel als nächste den digitalen Wandel vollziehen werden. Welche anderen Märkte können Softwareunternehmen mit ihren softwarebasierten Geschäftsmodellen erobern? Beispiele für solche digitalen Eroberer sind Uber, Netflix und Airbnb sowie zahlreiche Finanzdienstleister, und alle haben eines gemeinsam: Sie sind nicht aus etablierten Marktteilnehmern hervorgegangen, sondern haben einen Keil zwischen etablierte Unternehmen und deren Kundschaft geschoben.

Disruption als Naturgesetz?

Christensens wegweisendes Werk „The Innovator’s Dilemma“ zeigt auf, dass erfolgreiche, führende Unternehmen im Grunde alles „richtig“ machen können und trotzdem ihre Marktführerschaft verlieren oder von neuen, unerwarteten Mitbewerbern vom Markt verdrängt werden. Handelt es sich hierbei um ein Naturgesetz, das für alle Branchen gilt? Wie ist es um die Automobilindustrie, die chemische und pharmazeutische Industrie, die Öl- und Gasindustrie, die Energieversorger, den Maschinen- und Anlagenbau sowie andere Branchen bestellt? Wie einfach kann ein Softwareunternehmen diese Märkte stören? Und wie finden die aktuellen Marktteilnehmer das richtige Maß an digitaler Transformation – sprich Software –, um die potenziellen Störenfriede selbst zu stören?

In zehn Thesen zur digitalen Transformation beleuchten wir diese Fragen und stellen sie in einer Artikel-Serie in den nächsten Wochen ausführlich vor:

Teil 1:

  • Die digitale Transformation

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

Teil 5:

Teil 6:

Dr. Stefan Sigg

Dr. Stefan Sigg

Chief Research & Development Officer bei Software AG
Dr. Stefan Sigg, Jahrgang 1965 (Nationalität: Deutsch), ist seit April 2017 (Vertrag bis 2022) Mitglied des Vorstandes der Software AG und verantwortlich für Forschung & Entwicklung.

Dr. Sigg studierte Mathematik und Physik an der Universität Bonn und promovierte im Jahr 1994. Nach seinem Studium startete er seine berufliche Karriere in der Produktentwicklung der SAP SE. Nach verschiedenen Managementpositionen übernahm er die Entwicklungsleitung der Produkte SAP Business Warehouse und später SAP HANA. Zuletzt war er verantwortlich für das gesamte Produktportfolio im Bereich SAP Analytics.
Dr. Stefan Sigg

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