Interview mit Dr. Michael Schmitt von Sensor-Technik Wiedemann: Die Zukunft der Maschinen ist digital

In Stuttgart, München und Hamburg machte die IoT Innovation Tour 2018 bereits im Mai Station. Experten aus Industrie, Logistik und Handel stellten ihre besten IoT-Projekte vor und erläuterten, was Unternehmen benötigen, um am Zukunftsthema Industry of Things teilzunehmen. Dr. Michael Schmitt, Geschäftsführer der Sensor-Technik Wiedemann GmbH (STW), erläutert im Interview, welche Möglichkeiten sich durch IoT für den Maschinenbau ergeben.

Herr Schmitt, wie verändert IoT das Geschäft der Maschinenbauer?

Unser Unternehmen ist in einer Zeit entstanden, als Maschinenbauer noch selbst Maschinen gebaut haben. Heute hingegen stehen zunehmend nicht mehr die Maschinen im Vordergrund, vielmehr geht es um den Arbeitsprozess. Durch die Vernetzung von Prozessdaten entstehen ganz neue Geschäftsmodelle.

Was meinen Sie mit neuen Geschäftsmodellen? Können Sie das näher erläutern?

Endkunden haben heute nicht mehr die Notwendigkeit, Maschinen zu kaufen, sondern können diese einfach mieten, beispielsweise im Straßenbau. Abrechnungen erfolgen dann nicht pauschal, sondern benutzungsabhängig. Das bedeutet, der Kunde bezahlt nur das, was er an Maschinenleistung verbraucht hat. Das senkt bei vielen Unternehmen die Hemmschwelle, denn sie müssen keine teuren Investitionen tätigen und können Maschinen ganz bedarfsorientiert anfordern und flexibel einsetzen. Dem Maschinenbau wiederum eröffnet dieses Konzept neue Möglichkeiten, digitale Services rund um ihre Produkte anzubieten.

Welche Möglichkeiten zum Beispiel?

Dr. Michael P. Schmitt, Geschäftsführer der Sensor-Technik Wiedemann GmbH

Maschinendaten sind die neuen Investitionsgüter. Unternehmen mit einem bestehenden Geschäft können dieses erweitern, beispielsweise durch das genannte Konzept „mieten statt kaufen“, also die Abrechnung nach Nutzung. Darüber hinaus erfahren Unternehmen dank Daten mehr über ihre Maschinen, etwa ob sie eine Wartung durchführen müssen oder wie die Maschine tatsächlich genutzt und dahingehend optimiert werden kann. Auch darauf können sich neue Möglichkeiten ergeben. Das war für uns als Komponentenhersteller sehr schnell einleuchtend und wichtig. Durch die Analyse der erlangten Daten erhalten wir umfangreiches Wissen über unsere Maschinen, das uns zu mehr Effizienz und Effektivität verhilft. Zusätzlich wird die Digitalisierung im Zusammenspiel mit anderen Megatrends wie Elektrifizierung auch die Art und Weise verändern, wie Maschinen letztendlich aussehen. Früher wurden Maschinen immer groß konzipiert, damit die Kosten für den Betreiber stetig abnehmen. Entwicklungen wie autonomes Fahren und Arbeiten im Verbund machen das jedoch überflüssig. In absehbarer Zeit werden Maschinen also deutlich kleiner werden.

Was bedeutet das für den Markt?

Der Markt befindet sich gerade in rapider Veränderung: Durch die Digitalisierung schieben sich neue Wettbewerber zwischen Bauunternehmer und Auftraggeber. Diese bieten datengetriebene Services an, die ich zuvor beschrieben habe. Sie stellen nicht die Maschine, sondern die Leistung in den Vordergrund und überholen so alteingesessene Unternehmen. Zwar handelt es sich häufig um Start-ups, was jedoch nicht heißt, dass ausschließlich junge Leute Kompetenzen im Bereich Digitalisierung haben. Zwei Kernkompetenzen müssen diese disruptiven Digitalunternehmen mitbringen: Sie brauchen einerseits Wissen über Prozesse in den Branchen, die sie fokussieren. Andererseits müssen sie natürlich eine gewisse IT-Affinität mitbringen. Das können auch Branchenkenner vorweisen, die sich mit neuen Geschäftsmodellen selbstständig machen.

Heißt das, dass langfristig Mittelständer von Start-ups verdrängt werden?

Nein, natürlich nicht. Aber der Markt verändert sich und damit auch die Bedingungen und Voraussetzungen, die Wachstum und Fortbestand absichern. Der deutsche Mittelstand – spürbar gerade im Maschinenbau – ist es gewohnt, Lösungen im eignen Haus und vor allem alleine umzusetzen. Unternehmen bauen ihre Maschinen selbst und wir haben es häufig erlebt, dass sie ihre IT auch im Alleingang umsetzen wollen. Der Weg der Maschinendaten in die Cloud soll im besten Fall dann nicht über einen Dienstleister, sondern aus eigener Kraft heraus erfolgen. Dabei könnten Partner helfen, die neuen Herausforderungen zu meistern und neue Märkte zu erschließen; und das auch noch schneller. Wie so eine Zusammenarbeit mit einem Partner aussehen kann, haben wir selbst ja mit Cumulocity erlebt.

Wie sind Sie auf die Lösung Cumulocity IoT der Software AG gestoßen?

Dass IoT-Plattformen die beste Lösung für datengetriebene Geschäftsmodelle sind, hatten wir bei unseren Recherchen bereits festgestellt. Als wir uns intensiver mit dem Thema „Digitalisierung“ befasst haben, gab es die Überlegung, eine eigene Plattform zu bauen. Auf einer Konferenz hatte ich dann die Chance, den Geschäftsführer von Cumulocity kennenzulernen, was mich überzeugt hat, eine Partnerschaft einzugehen. Mit Cumulocity – ebenfalls ein mittelständisches Unternehmen – haben wir einen Partner auf Augenhöhe gefunden, was das Arbeiten gleich einfacher und angenehmer macht.

Wohin wird die Reise im Bereich IoT und Maschinenbau gehen?

Der Markt wandelt sich gerade hin zu datengetriebenen Diensten. Wer weiterhin bestehen will, braucht inzwischen zusätzlich zur reinen Technik ein serviceorientiertes Geschäftsmodell. Eine solche Neuaufstellung sollten Unternehmen am besten durch Partnerschaften realisieren, um sich weiterhin auf ihre eigentlichen Kompetenzen konzentrieren zu können. Wenn Unternehmen aufhören, alles selbst umzusetzen, gelangen sie eher zu einer digitalen Strategie. Dass Unternehmen das verstehen, zeigt sich auch in der Arbeit mit unseren Kunden und Partnern: Während wir früher mit dem Verantwortlichen für Technik gesprochen haben, ist unser Ansprechpartner nun das Management. Das Thema ist inzwischen Chefsache.

Treffen Sie Dr. Michael Schmitt und weitere Sprecher live auf unserer IoT Innovation Tour in Düsseldorf, Wien und Zürich. Weitere Informationen zu der Partnerschaft von Sensor-Technik Wiedemann und der Software AG erhalten Sie hier.

 

Bärbel Strothmann-Schmitt

Bärbel Strothmann-Schmitt

Pressesprecherin bei Software AG
Bärbel Strothmann ist seit ihren Anfängen in der IT-Branche vor mehr als 20 Jahren schreibend unterwegs, zunächst in der Forschung und Entwicklung als technische Autorin, dann im Marketing als Creative Writer und seit 2008 auf journalistischen Wegen für den Bereich Corporate Communications der Software AG. Sie ist Mitbegründerin des Blogs, zuständig für die Social-Media-Aktivitäten des Unternehmens sowie für alle Themen rund um die Technik- und Produktkommunikation. Die Digitalisierung, ihre Auswirkungen und Chancen gehören zu ihren Lieblingsthemen.
Bärbel Strothmann-Schmitt

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