Interview mit Heiko Cestonaro und Frank Rauber von nterra: Anpfiff für das Sportevent der Zukunft!

Am 12. September findet in Bonn die Innovation Tour 2017 der Software AG statt. Heiko Cestonaro und Frank Rauber von nterra stellen vorab exklusiv den Showcase des Spezialisten für Prozess- und Integrationslösungen vor und erläutern, warum Datenanalysen in Echtzeit Unternehmen den entscheidenden Wettbewerbsvorteil liefern.

Herr Cestonaro, welche Rolle spielt Datenanalyse bei Deutschlands digitaler Zukunft?

Daten sind der Rohstoff der digitalen Welt und entscheidend für den Erfolg von Unternehmen. Wettbewerbsvorteile entstehen durch die Verfügbarkeit dieses Rohstoffes und die Qualität seiner Verarbeitung. Daher ist die Datenanalyse – neben Datenerfassung und Datenlogistik – die zentrale Aktivität in der digitalen Value Chain.

Welchen Stellenwert hat Data Analytics aktuell in der Unternehmenswelt?

In der Mehrzahl der Unternehmen wird Data Analytics heute noch unter den Stichworten Business Intelligence oder Reporting geführt. Im Grunde dient sie also der periodenbezogenen Vergangenheitsbetrachtung. Da das Mindset der Unternehmensführung in vielen Fällen genau so aussieht, hat Data Analytics einen hohen Stellenwert – aber aus den komplett falschen Gründen.

Heiko Cestonaro ist Executive Partner bei nterra. (Quelle: nterra)

Das heißt, Unternehmen kennen den wahren Wert ihrer Daten noch gar nicht?

Zum Glück zeichnet sich in der Unternehmenswelt diesbezüglich bereits eine Wende ab: Sie setzen auf Echtzeit statt Periodenbezogenheit, Prediction statt Vergangenheitsbetrachtung, Automatisierung statt passiven Reportings. Unternehmen erkennen den Wert der Daten als Rohstoff und die Möglichkeiten, die dessen frühzeitige und vorausschauende Analyse hat.

 Was machen Unternehmen hierzulande gut und wo sehen Sie Herausforderungen?

Unternehmen sind gut im Sammeln von Daten und im statischen Reporting. Was man selten findet, ist die kreative Nutzungen von Daten, um wirkliche Mehrwerte für Kunden zu schaffen. Im internationalen Vergleich werden wir in Deutschland aber auch durch einen restriktiveren Datenschutz gebremst. Die Möglichkeiten, Daten zu erfassen und zu analysieren, nehmen enorm zu und die Technologien werden kostengünstiger. Die größten Herausforderungen werden darin liegen, die richtigen Fragen zu stellen, die durch Datenanalyse beantwortet werden können und Personal zu finden und auszubilden, das diese Fragen stellen kann.

Welche Trends kommen in naher Zukunft auf uns zu?

Die nächste Welle der Anwendungen rund um Data Analytics wird noch stärker auf Methoden des maschinellen Lernens abzielen. Neben den klassischen, meist numerischen Datentypen werden künstliche Intelligenzen in Echtzeit Erkenntnisse aus Bildern, Videos, Audiomaterial und unstrukturierten Textdokumenten gewinnen und nutzbar machen. Wenn etwa ein Touristik-Unternehmen digitale Services anbietet wie die Vermittlung eines Mietwagens vor Ort, muss es nicht die Buchungsdaten des Nutzers kennen, um zu wissen, wohin er in den Urlaub fährt. Es reicht aus, Urlaubsbilder auf Instagram zu analysieren, um ihm dann zielgerichtet die passgenau Leistung anzubieten. Sie sehen: Gerade die Verarbeitung dieses wertvollen Rohstoffes bringt den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Herr Rauber, Sie präsentieren auf der Innovation Tour einen Showcase zur Apama Analytics & Decisions Platform. Was können wir uns darunter vorstellen?

Unser Showcase ist die Apama-Arena und verdeutlicht die Möglichkeiten von Big Data und Streaming Analytics. Wir simulieren ein Fußballspiel und errechnen mittels Datenanalyse die Emotionen und Bedürfnisse von rund 50.000 virtuellen Zuschauern – seien es Ärger, Zufriedenheit, Hunger oder Durst. Die Simulation des Spiels selbst ist zweitrangig. Wichtig ist, wie es den Fans mit dem Spielverlauf geht und welche Folgen er hat. Welches Team schießt ein Tor? Welche Seite sieht eine rote Karte? Diese Events beeinflussen indirekt die Stimmung auf den Rängen. Der Nutzer nimmt mittels HTML5-User-Interface Einfluss auf diese Vorfälle. Sowohl das Interface als auch die statistischen Dashboards werden von MashZone NextGen Business Analytics bereitgestellt, einer Lösung der Software AG zur Visualisierung von Echtezeitdaten.
Der spannende Teil passiert jedoch im Hintergrund: Apama analysiert die simulierten Daten und sorgt mithilfe des vollautomatischen Stadionmanagers für einen reibungslosen Ablauf. Dieser sieht zum Beispiel Randalen im Ultras-Block voraus und triff Gegenmaßnahmen, wenn er aufgrund der Spielsituation oder der Zuschaueremotionen Bedarf sieht.

Frank Rauber ist Associate Partner bei nterra. (Quelle: nterra)

Welche automatischen Maßnahmen folgen daraus?

Für uns ist relevant, wie sich Tore, Karten und Fouls auf die Stimmung der Zuschauer auswirken. Der mit Apama umgesetzte „Stadionmanager“ reagiert entsprechend der Reaktionen der Zuschauer, um zum Beispiel eine eskalierende Situation wieder zu beruhigen oder die gute Laune aufrecht zu erhalten. Dank einer Form von Predictive Delivery Chain – also einer vorausschauende Lieferkette – werden rechtzeitig Bier und neue Würstchen aus dem Kühlhaus bestellt oder Ordner in einen Block geschickt.

Die Lösung unterstützt Unternehmen also dabei, schnell, zielgerichtet und evidenzbasiert zu handeln?

Genau. Der Einsatz von Apama ermöglicht die Auswertung von Informationen und Events in Echtzeit und eine Reaktion auf das Ergebnis. Im Falle unseres Showcases gewährleistet Apama einen reibungslosen Spielbetrieb – ein echter Mehrwert für den Kunden und Stadionbetreiber. Generell lassen sich dank Streaming Analytics Nachschubprozesse optimieren. Wir sehen hier große Potenziale in der Industrie und Logistik, wenn man an Smart Supply Chains bzw. Smart Delivery Chains denkt. Noch einmal am Beispiel eines Stadionbetreibers: Umsätze steigen, da mehr Lebensmittel verkauft werden können; Instandhaltungs- und Personalkosten sinken, weil weniger Krawalle aufkommen.

Welche weiteren Einsatzszenarien sind denkbar?

Aus unserem Projektalltag kennen wir unter anderem den Einsatz bei der Fraud Detection – also die Erkennung von Unregelmäßigkeiten in der Finanzbranche. So können interne Kontrollsysteme vor Wirtschaftskriminalität schützen. Ein komplett anderer Bereich wäre der Einsatz bei Maschinenbauern: Messwerte und Laufzeiten von Maschinen werden ausgewertet, um auf Schwellwerte zu reagieren, Wartungsaufwände vorauszusehen und Ausfälle so zu minimieren. Genauso können große Herstellungsbetriebe – zum Beispiel Autobauer – frühzeitig auf Marktschwankungen reagieren und dank einer Smart Supply Chain die passenden Rohstoffe und Bauteile stets verfügbar halten. Und das bei sinkenden Lager- und Beschaffungskosten.

Wie präsentieren Sie den Showcase auf der Innovation Tour?

Messebesucher können die Simulation auf zwei großen Monitoren verfolgen, die Datenströme über nutzerzentriert gestaltete Dashboards verfolgen und mit einem Tablet der Spielverlauf beeinflussen. So erleben die Teilnehmer den Mehrwert von Streaming Analytics live und interaktiv.

 

Sie wollen selbst ein Fußballstadion managen? Kommen Sie zur Innovation Tour 2017 und treffen Sie die Experten von nterra! Alle Informationen zum Event finden Sie hier.

Bärbel Strothmann-Schmitt

Bärbel Strothmann-Schmitt

Pressesprecherin bei Software AG
Bärbel Strothmann ist seit ihren Anfängen in der IT-Branche vor mehr als 20 Jahren schreibend unterwegs, zunächst in der Forschung und Entwicklung als technische Autorin, dann im Marketing als Creative Writer und seit 2008 auf journalistischen Wegen für den Bereich Corporate Communications der Software AG. Sie ist Mitbegründerin des Blogs, zuständig für die Social-Media-Aktivitäten des Unternehmens sowie für alle Themen rund um die Technik- und Produktkommunikation. Die Digitalisierung, ihre Auswirkungen und Chancen gehören zu ihren Lieblingsthemen.
Bärbel Strothmann-Schmitt

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