IT-Finanztrends auf der SIBOS 2017: Wer oder was steht im Fokus? - Ping IT

IT-Finanztrends auf der SIBOS 2017: Wer oder was steht im Fokus?

Kaum eine Branche ist so vom digitalen Wandel betroffen wie der Finanz-Sektor. Dementsprechend viele Startups versuchen, mit neuen Geschäftsmodellen Fuß zu fassen und zwingen etablierte Unternehmen so zum Handeln. Möglich machen das neue technologische Lösungen. Diese wurden ausführlich auf der SIBOS 2017, der Leitmesse für Finanzdienstleistungen, beleuchtet – in den Fokus rückt jedoch wieder etwas anderes: der Mensch.

Mitte Oktober fand die SIBOS 2017 in Toronto statt. Mit mehr als 8.100 Teilnehmern wurde sie von SWIFT als die bisher erfolgreichste SIBOS auf dem amerikanischen Kontinent bewertet. Die SIBOS stand in diesem Jahr unter dem Motto „Building for the future“. Die Konferenz gliederte sich in die 4 großen Tracks Banking (Zahlungsverkehr und Korrespondenzbanken), Compliance (Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung), Securities (Auswirkungen der Regulierung auf Marktinfrastrukturen und die entsprechenden Reaktionen der Marktteilnehmer) und Technologie (Auswirkungen neuester Technologien auf Financial Services, Mehrwerte für Kunden und Cyber Security).

Vom Hype zur Realität

Die immer weiter zunehmende Bedeutung der Technologie für das Bankgeschäft wurde im Abschluss-Panel deutlich. Auf die Frage, was die wichtigste Fähigkeit für Banken in den nächsten 10 Jahren sein wird, belegten folgende Technologiethemen die vordersten Plätze: Artificial Intelligence/Machine Learning (59%), Blockchain/Digital Ledger Technologien (20%) und Digital Technology/Internet of Things (14%). Neben technologischen Innovationen sei aber auch ein umfassender Kulturwandel erforderlich („Kultur des Scheiterns“) und eine konsequentere Ausrichtung an den Bedürfnissen des Kunden. So wie es den Banken heute von den Fintechs vorgemacht wird.

Schon von der SIBOS 2016 konnte ich berichten, dass sich viele Themen immer mehr vom Hype zur Realität entwickelt haben. Diese Tendenz hat sich in diesem Jahr fortgesetzt.

Implementierung von Blockchains

Über Blockchains wurde häufiger als in den Vorjahren anhand von konkreten Implementierungen berichtet. In Russland wurde beispielsweise eine Anleihe über eine Blockchain emittiert. Aus anderen Ländern wurde über Blockchain-Projekte für Collateral Management, Corporate Actions und Trade Finance berichtet. Bemerkenswert war dabei, dass immer wieder auf den notwendigen Kulturwandel hingewiesen wurde. Die am Prozess beteiligten Mitarbeiter müssen nämlich bisherige Arbeitsweisen aufgeben, was nicht immer einfach ist. Zudem wurde auf die dringend notwendige Standardisierung von Blockchains hingewiesen. Selbst wenn es pro Land nur eine Blockchain für das Geschäft mit Wertpapieren gibt, ergibt sich daraus für Investoren und Intermediäre eine unzumutbare Vielfalt an Schnittstellen zu länderspezifischen Blockchains. Als nächstes großes „Ding“ rund um Blockchain wurden Initial Coin Offerings (ICOs) genannt, bei denen Eigentumsrechte digital veräußert werden.

APIs: 2018 wird ein entscheidendes Jahr

Der Einsatz von APIs wurde in einem größeren Kontext diskutiert als in den Vorjahren, als man noch primär über die grundsätzliche Notwendigkeit dieser Technologie diskutierte. Einerseits scheint man in Europa aufgrund der PSD2-Einführung 2018 bei der konkreten Bereitstellung von APIs weiter zu sein als in anderen Teilen der Welt. Andererseits sieht man gerade in Amerika aufgrund der Marktmacht von GAFA (Google, Amazon, Facebook und Apple) die Notwendigkeit von APIs eher grundsätzlich und spricht daher auch von „Open Banking“. Einigkeit bestand darin, dass 2018 ein entscheidendes Jahr für die breite Anwendung von APIs werden wird. Weltweit müssen sich Banken stärker für Partner öffnen und für sich eine entsprechende Strategie zurechtlegen, wie sie sich im Rahmen des sich abzeichnenden Unbundlings von Bankprozessen positionieren möchten.

Der Mensch im Mittelpunkt von Cyber Security

Cyber Security nahm einen breiten Raum in zahlreichen Vorträgen und Diskussionen ein. Dabei wurde nicht die Technologie, sondern der Mensch in den Mittelpunkt gestellt. Einerseits weil es die Menschen sind, die von Banken Vertrauen und Sicherheit erwarten. Andererseits weil Cyber Security vor allem einen Kulturwandel („Nicht Angst machen, sondern darüber reden!“) und eine umfassende Schulung der Mitarbeiter braucht. So sollen Angriffe von vorne herein verhindert werden und das Vertrauen der Kunden zu ihren Banken erhalten bleiben.

In vielen Gesprächen kamen die Teilnehmer zu der Erkenntnis, dass es am Ende des Tages der Kunde ist, der über die Zukunft der Banken entscheiden wird. Viele Banken mögen heute aufgrund der unverändert guten Ertragssituation (zumindest auf globaler Ebene) nur einen bedingten Handlungsbedarf erkennen. Und teilweise ist nicht nur die Technik der Banken veraltet, sondern auch das Verhalten der Kunden, wie der unverändert hohe Stellenwert der Schecks in den USA zeigt. Aber bereits heute lässt sich am Marktwert der großen Technologiefirmen (GAFA & Co.) die Macht der potenziellen Wettbewerber ablesen. Daraus entsteht ein unmittelbarer Handlungsbedarf. Banken tun gut daran, die notwendigen Maßnahmen zur digitalen Transformation sorgfältig zu planen und an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten. Plattformen werden eine wichtige Rolle dabei spielen, die Bank als Teil eines Ökosystems zu positionieren und die eigenen Produkte, Services und Systeme stärker mit denen von Partnern zu verknüpfen. Diese Plattformen fördern auch die Agilität und Flexibilität bei der Entwicklung innovativer Angebote und erleichtern die sukzessive Erneuerung von Legacy-Systemen.

Transformation für die Zukunft – und für den Menschen

SIBOS hat einmal mehr die notwendige Transformation der Banken aufgezeigt. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde dabei aber nicht mehr auf einzelne Technologien abgezielt. Vielmehr wurde der Mensch (Mitarbeiter/Kunde) mit seinen veränderten Verhaltensweisen und Bedürfnissen in den Mittelpunkt gerückt. Das macht die anstehenden Aufgaben nicht weniger komplex und kompliziert. Es gilt nun, gemäß dem SIBOS-Motto, den Umbau für die Zukunft entschieden voranzutreiben.

Die nächste SIBOS findet im Oktober 2018 in Sydney statt. Ich bin gespannt, wie sich die Themen bis dahin entwickeln und welche neuen Themen und Technologien wir bis dahin sehen werden.

Steffen Lorenz

Principal Consultant bei SAG Deutschland GmbH
Steffen Lorenz arbeitet als Principal Consultant für die SAG Deutschland GmbH. Als Diplom-Wirtschaftsinformatiker beobachtet und bewertet er aktuelle Wirtschaftstrends, individuelle Kundenanforderungen und neueste Technologien.
Als Experte schreibt Steffen Lorenz über Lösungsstrategien zur erfolgreichen Transformation in Richtung Digitales Unternehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.