Logistik und Digitalisierung: Investitionsstau?

Logistik und Digitalisierung: Investitionsstau?

Für die Führungskräfte der deutschen Logistikbranche besteht kein Zweifel: Die Digitalisierung ist in der Logistik angekommen. Das hat eine Umfrage der Software AG auf dem 33. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin ergeben.[1]

Deutlich mehr als die Hälfte (57 Prozent) der dort befragten Branchengrößen stimmen dieser Aussage zu. Aber noch mehr Befragte (68 Prozent) sehen mangelnde Investitionsbereitschaft als Hindernis auf dem Weg zum digitalen Logistikunternehmen.

Dieser diagnostizierte Investitionsstau verhindert, dass Unternehmen ganz konkreten Nutzen aus der fortschreitenden Digitalisierung von Prozessen, Fahrzeugen und Analysen ziehen. Denn, welche Vorteile hier schlummern, ist den Befragten durchaus bewusst:

  • Erhöhte Transparenz im Liefernetzwerk sehen 81 Prozent der Logistik-Entscheider und
    –Experten als einen potenziellen Segen der Digitalisierung.
  • Effizientere Planung von Lieferrouten erhoffen sich 65 Prozent der Befragten.
  • 64 Prozent sehen in der Möglichkeit, flexibler auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können, eine Chance der Digitalisierung.
  • Mit 60 Prozent ist auch ein verbesserter Lieferservice in Folge digitaler Prozessverbesserungen im Fokus der Befragten.

Damit diese Wünsche Wirklichkeit werden können, fehlt es nach Ansicht der Logistik-Experten neben der Investitionsbereitschaft teilweise auch an klaren Strategien und Geschäftsmodellen (50 Prozent) sowie an Spezialisten, die die Digitalisierung vorantreiben (46 Prozent). Unternehmen brauchen also Mut zum Wandel und zu Investitionen in eine finanzielle, technische und personelle Grundlage für die Digitalisierung.

Was die Ansatzpunkte für die Digitalisierung angeht, scheint allerdings keine allzu große Investitionsskepsis zu herrschen. So planen immerhin 39 Prozent der Befragten die Optimierung ihres IT-Portfolios. Damit gehen sie definitiv den ersten Schritt auf dem Weg zum digitalen Logistikunternehmen. Ebenfalls 39 Prozent planen zunächst einen offeneren Informationsaustausch mit Geschäftspartnern, knapp ein Drittel (32 Prozent) eine verbesserte Entscheidungsfindung im Rahmen der operativen Prozesse.

Im Nachgang zum wichtigsten Branchentreffen der Logistiker lässt sich festhalten, dass sich die Vorteile der Digitalisierung auf jeden Fall schon in der Branche herumgesprochen haben. Jetzt heißt es, Investitionen in eine solide Grundlage zu tätigen, um Lieferketten, -routen und -service in Zukunft noch effizienter gestalten zu können.

 

[1] Die Software AG hat auf dem 33. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin vom 19. Bis 21 Oktober 2016 225 Logistik-Führungskräfte, Experten und Unternehmensgründern befragt.

Mathias Mittmann

Mathias Mittmann

Business Consultant bei SAG Deutschland GmbH
Mathias Mittmann ist Business Consultant im Vertriebsbereich „Travel & Transport“ bei der SAG Deutschland GmbH. Zuvor studierte er BWL an der HTWG Konstanz und sammelte während seiner über 10-jährigen Laufbahn bei der Software AG Erfahrungen in internationalen Kundenprojekten. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Herausforderungen und Chancen, die die Digitalisierung auf die Reise, Transport- und Logistikbranche haben.
Mathias Mittmann

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