Neue B2B-Geschäftsmodelle durch das IoT

Letztes Jahr etablierte die Software AG einen Wissenschaftlichen Beirat. Das Gremium bietet der Software AG durch seine wissenschaftliche Perspektive wertvolle Impulse für (potenzielle) neue Technologietrends. In dieser Artikel-Serie beleuchten die Experten ihre Forschungsgebiete und geben einen kurzen Ausblick, wie sich diese künftig entwickeln werden. Prof Dr. Friedemann Mattern leitet das Fachgebiet “Verteilte Systeme” an der ETH Zürich und beschäftigt sich mit den Themen Modelle & Konzepte verteilter Berechnungen, Sensornetze und IoT-Infrastrukturmechanismen.

Das Internet of Things (IoT) stellt den konsequenten nächsten Schritt der Internet-Evolution dar. Stets ging es beim Internet um Vernetzung, jede der vergangenen Dekaden brachte im Zuge des anhaltenden Technikfortschritts aber ihre eigenen umwälzenden und folgenschweren Entwicklungen mit sich. Zunächst kam es in den 1980er-Jahren zur Vernetzung von Computern untereinander. In den 1990ern folgte mittels Web, Hyperlinks und graphischen Browsern die Online-Vernetzung von Dokumenten und „Inhalten“. Die Nullerjahre dieses Jahrhunderts ermöglichten durch Web 2.0 und Smartphones die Vernetzung von Menschen mit Web-Diensten und sozialen Netzplattformen. Schließlich ist das gegenwärtige Jahrzehnt durch die Einbindung von physischen Dingen in das Internet mitsamt seinem mächtigen Ökosystem charakterisiert. Damit erreicht die digitale Transformation eine neue Qualität und induziert für Wirtschaft und Gesellschaft nie dagewesene Chancen, aber auch Herausforderungen. Die Konsequenzen dieser Entwicklung werden erst in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten richtig zu spüren und einzuschätzen sein.

Prof. Dr. Friedemann Mattern

Zwei Eigenschaften von internetbezogenen Dingen sind von unmittelbarer wirtschaftlicher Relevanz: Zum einen generieren diese „smarten“ Dinge – seien es einfache Alltagsgegenstände oder teure Maschinen – typischerweise wertvolle Daten zum Nutzungskontext. Zum anderen haben sie Zugriff auf das Wissen und die Dienste im Web, bieten ihren Anwendern somit einen Mehrwert, der weit über den klassischen physischen Nutzen des Gegenstands hinausgehen kann und fungieren so auch als Schnittstelle zu automatisierten Dienstleistungen, welche die eigentliche Wertschöpfung und Verdienstquelle darstellen können. Während für die erstgenannte Eigenschaft schon vielfältige Business-Szenarien und Geschäftsmodelle entwickelt und teilweise auch ausprobiert wurden – die Techniken des Cloud Computings sowie des maschinellen Lernens und der Datenanalytik auf großen Datenmengen kommen dafür gerade zur rechten Zeit –, ist das Potenzial „schlauer“ Gegenstände als „touch points“, welche Kunden mit geeigneten Diensten und geschäftsrelevanten Prozessen in Verbindung bringen, erst ansatzweise erforscht und ökonomisch noch wenig entwickelt. Hier bieten sich noch vielfältige Chancen.

Letzteres gilt insbesondere auch für den Bereich des Business-to-Business (B2B). Bei den gegenwärtig diskutierten IoT-Szenarien (etwa mit Fitness-Armbändern, smartem Spielzeug oder Komponenten eines Smart Home) dominieren zwar die Consumer-Anwendungen, doch wird mittelfristig der relevantere Teil der IoT-Wertschöpfung beim B2B liegen. Die IoT-Technologie stellt eine wesentliche Komponente von Industrie 4.0 dar. In Bereichen wie der industriellen Fertigung, der Logistik, der Baubranche, aber beispielsweise auch bei Kliniken kann sie dazu beitragen, Fehler zu minimieren, die Sicherheit zu erhöhen sowie in direkter und indirekter Weise Effizienz und Produktivität zu steigern. Da beim B2B deutlich höhere Werte im Spiel sind als bei einfachen Consumer-Szenarien, sind allerdings die generellen Anforderungen an die Sicherheit der IoT-Technologie selbst sowie an Qualitätseigenschaften wie Verlässlichkeit, Robustheit, Fernwartbarkeit und gegebenenfalls Echtzeitfähigkeit deutlich größer. Um B2B-Szenarien großflächig zu ermöglichen, steht daher noch einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit an. Daneben gilt es, technologieinvariante und branchenübergreifende Standards, die eine breite Koppelung unterschiedlicher Systeme ermöglichen, weiterzuentwickeln. Auch wenn noch einige „Hausaufgaben“ zu erledigen sind, sollten die vielfältigen mit IoT verbundenen Chancen uns anspornen, bereits jetzt mit dem Aufbau entsprechender Plattformen zu beginnen und dabei gemeinsam wertvolle Erfahrung zu sammeln. Denn für den IoT-B2B-Bereich gilt: Die Zukunft beginnt jetzt!

Lesen Sie hier alle weiteren Beiträge des Wissenschaftlichen Beirats der Software AG:

Bärbel Strothmann-Schmitt

Bärbel Strothmann-Schmitt

Pressesprecherin bei Software AG
Bärbel Strothmann ist seit ihren Anfängen in der IT-Branche vor mehr als 20 Jahren schreibend unterwegs, zunächst in der Forschung und Entwicklung als technische Autorin, dann im Marketing als Creative Writer und seit 2008 auf journalistischen Wegen für den Bereich Corporate Communications der Software AG. Sie ist Mitbegründerin des Blogs, zuständig für die Social-Media-Aktivitäten des Unternehmens sowie für alle Themen rund um die Technik- und Produktkommunikation. Die Digitalisierung, ihre Auswirkungen und Chancen gehören zu ihren Lieblingsthemen.
Bärbel Strothmann-Schmitt

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