Rette sich, wer kann – die Roboter kommen!

Immer häufiger berichten die Medien über eine nicht allzu ferne Zukunft, in der selbstlernende Maschinen oder Roboter mit künstlicher Intelligenz (KI) die Menschen als Arbeitskräfte ersetzen. Sind Horrorszenarien à la Hollywood, in denen sie die Menschheit versklaven und letztlich die alleinige Herrschaft über unsere Welt erlangen, nah? Ist es Zeit, Alarm zu schlagen, oder sollen wir uns zurücklehnen und die modernen Technologien genießen? Und wie gestaltet sich die Zukunft im Zeitalter der Industrie 4.0 – machen wir uns mit unseren neuen Technologien gar überflüssig?

Diese Fragen lassen sich nur schwer beantworten. Den eher düsteren Prognosen steht entgegen, dass der Einsatz „smarter“ Technologien am Arbeitsplatz positive Auswirkungen hat.

Vergleichen wir einmal die Industrie 4.0 und ihre Folgen mit denen der Landwirtschaft 1.0 – also den Anfängen von Ackerbau und Viehzucht. Durch die „Erfindung” der Landwirtschaft wurden Jäger und Sammler innerhalb weniger Anbauperioden aus dem Geschäft gedrängt. Und sehr viele andere Beschäftigungsmöglichkeiten gab es damals wohl nicht. Nach einer Phase der Anpassung, die es auch für die Industrie 4.0 geben wird, stellte sich heraus, dass die Menschheit erst durch planmäßige Landwirtschaft in der Lage war, auf anderen Gebieten anspruchsvolle Fähigkeiten zu entwickeln: Die Menschen begannen mit Werkzeugen zu arbeiten, Häuser zu bauen und wurden schließlich Ärzte, Wissenschaftler, Rechtsanwälte und Steuerberater. Was ist gegen einen solchen Fortschritt einzuwenden?

Arbeitswelt im Wandel

Jede industrielle Neuerung bringt zunächst Unsicherheit mit sich. Dann folgt jedoch eine Anpassungsphase, nach der die Gesellschaft die Früchte ernten kann. Computer und Software haben die Arbeitswelt grundlegend verändert: die Art und Weise, wie wir arbeiten, unsere Produktivität sowie letztendlich auch das Wohlergehen unserer Gesellschaft. Künstliche Intelligenz ist nichts anderes als die nächste Entwicklungswelle, vielleicht mit weitreichenderen Folgen. Sie bietet enorme Chancen, neue und nachhaltige Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse zu etablieren, die weltweit eine positive Wirkung haben werden.

Durch Industrie 4.0 erhöhen sich die Ansprüche an alle, die auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren. Das lässt sich jedoch als eine durchaus positive Entwicklung deuten. Vielleicht führt sie dazu, dass Millionen eintöniger, schmutziger oder sogar gefährlicher Jobs von Robotern oder Maschinen ausgeführt werden. Dafür werden sie – unter menschlicher Aufsicht – über smarte Software gesteuert.
Sehr wahrscheinlich wird Industrie 4.0 sehr viel disruptiver auf die Arbeitswelt einwirken, als das jemals bisher der Fall war. Wir als Gesellschaft tragen die Verantwortung dafür, dass es nicht zu einer „digitalen Spaltung” kommt, die zum ausgrenzenden Faktor bei der Arbeitssuche wird.

Künstliche Intelligenz macht unser Leben leichter

Unternehmen müssen diese Transformation mit Augenmaß und nachhaltig steuern, dann wird Künstliche Intelligenz für Beschäftigte aller Branchen von großem Nutzen sein. Roboter können zum Beispiel beim Flugzeugbau assistieren – in der Chirurgie tun sie das bereits. Sie sind für gefährliche Arbeiten im Bergbau einsetzbar oder übernehmen in der Buchhaltung monotone Tätigkeiten wie Zahlen zu prüfen und abzugleichen. Der Mensch kann sich indessen auf höherwertige Aufgaben konzentrieren, vorausgesetzt, er wird darauf vorbereitet und (um)geschult.

Fortbildungen werden immer wichtiger, und man wird sich darauf einstellen müssen, ein Leben lang dazuzulernen. Es kursieren jede Menge Ideen darüber, wie diese Maßnahmen finanziert werden sollen. Laut einem besonders kreativen Konzept sollen Roboter-Mitarbeiter Einkommenssteuer bezahlen. Die Einkünfte daraus könnten dann zur Weiterbildung derjenigen eingesetzt werden, die durch die Roboter ersetzt wurden.

Konsum bleibt menschlich

Ich bin überzeugt, dass es unmöglich ist, die menschliche Arbeitskraft zu 100 Prozent zu ersetzen. In den düsteren Zukunftsszenarien, die voraussagen, dass wir von Maschinen verdrängt werden, ist mir kein einziger Roboter begegnet, der den Menschen als Konsumenten ersetzt hätte. Oder können Sie sich einen Roboter vorstellen, der Blumen für einen anderen Roboter kauft und mit ihm für ein romantisches Wochenende verreist? Ein Roboter, der zum Wandern in die Berge fährt, der sich eine Weinreise nach Bordeaux gönnt und abends mal Cocktails trinken geht?

Der Konsum wird uns Menschen vorbehalten bleiben – das ist sicher. Und dafür brauchen wir einen gewissen Wohlstand. Wenn Unternehmen Waren herstellen oder Dienstleistungen anbieten, die sich niemand leisten kann, bedeutet das ihren finanziellen Ruin. Deshalb wird die Automatisierung schlicht dort enden, wo eine weitere Steigerung des Automatisierungsgrads nicht mehr wirtschaftlich ist. Wann ist dieser Punkt erreicht? Die bereits erwähnte Anpassungsphase wird erste Erkenntnisse bringen. Für uns ist sie zudem ein Prozess, in dem wir uns auf immer neue und weiterentwickelte technologische Innovationen einstellen müssen.

Von den Annehmlichkeiten durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz sollten so viele Menschen wie möglich profitieren – und es ist an uns, für eine gerechte Verteilung zu sorgen. Deshalb müssen wir jetzt damit beginnen, über die Auswirkungen der Transformation hin zu Industrie 4.0 zu diskutieren.

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Eric Duffaut

Eric Duffaut

CCO bei Software AG
Eric Duffaut, Jahrgang 1962, ist seit Oktober 2014 Mitglied des Vorstands der Software AG und verantwortlich für die Bereiche Global Sales, Consulting Services und Marketing.

Eric Duffaut hat über 20 Jahre internationale Management- und Vertriebserfahrung in der IT-Industrie, wobei sich die Bandbreite des Kundenspektrums von Fortune-500-Konzernen bis hin zu Mittelstands- und Kleinunternehmen erstreckt.
Eric Duffaut

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