Rückblick SIBOS 2016

Ende September fand die SIBOS 2016 in Genf statt. Unter dem Motto „Transforming the Landscape“ trafen sich mehr als 8.000 Teilnehmer um über aktuelle Themen der Finanzwelt aus den Bereichen Zahlungsverkehr, Wertpapierhandel, Finanzkriminalität (Compliance), neue Technologien, disruptiven Wettbewerb und kulturellen Wandel zu diskutieren.

Im vergangenen Jahr sorgten Real-Time Payments, Blockchains und FinTechs für sehr viel Gesprächsstoff und auch dieses Jahr griffen viele Präsentationen und Diskussionen diese Themen wieder auf. Allerdings wurde nun deutlich fokussierter über konkrete Use Cases, Business Cases und erste Erfahrungen in Projekten diskutiert. Zudem waren im Messebereich der SIBOS zahlreiche Aussteller vertreten um konkrete Produkte zu präsentieren. Neu war in diesem Jahr die intensive Diskussion über Cybersecurity. Wachgerüttelt durch die Vorfälle in der Zentralbank von Bangladesch diskutierten die SIBOS-Teilnehmer, wie sich Banken gegen die zunehmende Zahl an Angriffen aus dem Internet schützen können.

Die wichtigsten Erkenntnisse ausgewählter SIBOS-Themen sind:

APIs: Die Mehrzahl der Banken hat mittlerweile erkannt, dass Application Programming Interfaces (APIs) nicht nur für die Umsetzung von PSD2 benötigt werden. Viele machen sich schon konkrete Gedanken darum, wie sie über APIs neue Ertragsquellen erschließen können. Es geht also um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die u.a. deutlich stärker auf Kooperationen (z.B. mit FinTechs) aufbauen. Neben den technologischen Anpassungen müssen sich Banken dazu auch kulturell verändern. In der Vergangenheit wurden Produkte und Services direkt für den Endkunden entwickelt. Zukünftig muss aber auch der Partner (IT-Entwickler) mit einem attraktiven Angebot angesprochen und umfassend betreut werden.

Blockchain: Nach dem Blockchain-Hype auf der SIBOS 2015 wurde das Thema dieses Jahr deutlich differenzierter diskutiert. Einerseits waren in den Panels einige Anbieter von Blockchain-Technologien vertreten, andererseits konnten einige Banken von ihren konkreten Erfahrungen aus Pilotprojekten berichten. Man muss jedoch bei realistischer Betrachtung davon ausgehen, dass diese Technologie vermutlich noch fünf bis zehn Jahre benötigen wird, um sich auf breiter Front durchzusetzen, zumal es noch viele konkurrierende Ansätze und Technologien gibt. Neben Fragen zur Technologie gibt es auch hier kulturelle Aspekte zu berücksichtigen: Bei vielen Use Cases ging es hauptsächlich um den kompletten Umbau bisheriger Technologie-Plattformen in den Banken, die mit den vorhandenen Mitarbeitern bewältigt werden musste.

Cyber Security: Die Zahlen sind alarmierend: 51% aller Unternehmen in Deutschland wurden bereits Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Der Schaden für die gesamte deutsche Wirtschaft beläuft sich auf geschätzte 51 Milliarden Euro pro Jahr. Zunehmend nehmen Angreifer dabei auf die Geschäftsprozesse des Unternehmens ins Visier, z.B. den Zahlungsverkehr. In der Vergangenheit mag es vielleicht ausgereicht haben, auf punktuelle Angriffe zu achten (beispielsweise den Angriff auf einen Server oder den Diebstahl von Passwörtern), doch in Zukunft müssen weitaus komplexere Szenarien erkannt werden können (beispielsweise wenn sich ein unbefugter Mitarbeiter Zugang zu Dokumenten verschafft, die einen bestimmten Geschäftsprozess erklären, um einige Tage später genau diesen Geschäftsprozess auszuführen). Cybersecurity muss daher in der Lage sein, die gesamte Organisation, alle Prozesse und sämtliche Technologien einzubeziehen und komplexe Abhängigkeiten auszuwerten. Die Herausforderungen bestehen darin, ein normales von unbefugtem Verhalten zu unterscheiden, die Auswirkungen zu beurteilen und schnell entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Real-time Payments: Die Überweisung von Geld in Echtzeit wird in immer mehr Ländern zur Realität. Neben grundsätzlichen Fragen nach der Notwendigkeit und der Möglichkeit um dafür Gebühren zu verlangen, setzt sich bei vielen Banken die Erkenntnis durch, dass „Real-Time Payments“ massive Auswirkungen auf die IT haben werden. Banken müssen gleichzeitig ihre vorherrschende Batch-Verarbeitung ablösen und eine permanente Verfügbarkeit ihrer Infrastruktur garantieren. Dieses „Always On“-Prinzip wird heute schon von rein digitalen Wettbewerbern praktiziert. Die alten Banken müssen währenddessen erst noch ihre IT-Infrastruktur teuer umbauen – ein Dilemma, denn  gleichzeitig soll doch die Total Cost of Ownership gesenkt werden.

Daten: Banken sitzen schon heute auf riesigen Bergen von Daten, die sie primär über den Zahlungsverkehr gewinnen. In Zukunft werden weitere Daten aus dem Bereich „Internet der Dinge“ hinzukommen. Dürfen bzw. können Banken diese Daten nutzen? Welche Geschäftsmodelle lassen sich darauf aufbauen? Wie können sich Banken als Anbieter von Plattformen positionieren, um für Kunden Relevanz und Mehrwert zu haben? Derzeit gibt es in diesem Bereich noch mehr Fragen als Antworten, aber das Thema gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, sodass es auf der nächsten SIBOS einen weitaus prominenteren Platz einnehmen dürfte.

Die nächste SIBOS findet im Oktober 2017 in Toronto statt. Wir sind gespannt, wie sich die beschriebenen Themen bis dahin entwickeln und welche neuen Punkte auf der Agenda stehen werden.

Steffen Lorenz

Principal Consultant bei SAG Deutschland GmbH
Steffen Lorenz arbeitet als Principal Consultant für die SAG Deutschland GmbH. Als Diplom-Wirtschaftsinformatiker beobachtet und bewertet er aktuelle Wirtschaftstrends, individuelle Kundenanforderungen und neueste Technologien.
Als Experte schreibt Steffen Lorenz über Lösungsstrategien zur erfolgreichen Transformation in Richtung Digitales Unternehmen.

Ein Kommentar zu “Rückblick SIBOS 2016”

  1. […] von der SIBOS 2016 konnte ich berichten, dass sich viele Themen immer mehr vom Hype zur Realität entwickelt haben. […]

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