Smarte Städte stellen sich den IoT-Risiken

Durch das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) werden Städte smarter. Allerdings müssen die Kommunalverwaltungen auch neue Regeln etablieren, damit sie mit den daraus entstehenden Risiken angemessen umgehen können.

Smarte Städte werden zum Dreh- und Angelpunkt für IoT-Objekte wie Fahrzeuge oder Straßen, die über Sensoren mit dem Internet der Dinge verknüpft sind. Die Städte werden einen großen Teil der Infrastruktur zur Verfügung stellen. In der Zukunft werden Fahrzeuge nicht nur miteinander, sondern auch mit smarten Straßen und smarten Städten kommunizieren, um Routen und Reisezeiten zu optimieren und Unfälle zu verhindern.

In einem Artikel auf IoT-Evolution werden einige Pilotprojekte für die smarte Stadt beschrieben. In Chicago gibt es zum Beispiel eine smarte Kreuzung, die Fahrzeuge und Fußgänger über Sensoren überwacht und die Ampelschaltungen anpasst, um Wartezeiten zu minimieren. Ein smartes Polizeiauto ist drahtlos verbunden mit dem Public Safety Data Network (spezielles Netzwerk für sicherheitsrelevante Anwendungen des US-Bundesstaates Minnesota) und ermöglicht es der Polizei, Informationen in Echtzeit auszutauschen.

Je intelligenter die Städte aber werden, desto mehr Risiken entstehen. Vernetzte Systeme können jederzeit versagen und über schlecht geschützte Verbindungen infiltriert oder gestört werden.

Das US-amerikanische Unternehmen Newrisk stellt fest: „Vernetzte Systeme können versagen, wenn an einem kritischen Punkt Druck entsteht oder Abläufe konvergieren und so ein neuer Schwachpunkt oder ein verwundbares Ziel entsteht, über das ein Unternehmen oder eine Behörde angegriffen werden kann. So kann es zu katastrophalen Ausfällen kommen.”

Terroranschläge werden so zur realen Bedrohung. Der Computerwurm Stuxnet, der über Schwachstellen in der Computer-Software in die Rechner des iranischen Atomprogramms eindrang, ist ein Beispiel dafür.

Stellen Sie sich vor, Terroristen, die ein Finanzzentrum lahmlegen wollen, dringen in das Netzwerk einer Stadt ein und programmieren die Ampelsteuerung so um, dass es zu Unfällen und schließlich zum Verkehrsinfarkt kommt. Gleichzeitig stellen sie in den Gebäuden von Börsen und Banken den Strom ab. Wer ist in einem solchen Fall verantwortlich für die finanziellen Auswirkungen wie Umsatzrückgänge, Arbeitsausfälle oder das Durchsickern vertraulicher Informationen?

Muss die Stadt dafür die Verantwortung übernehmen? Schließlich laufen in ihrem Netzwerk alle verknüpften Systeme zusammen. Oder ist der Hersteller der Ampelanlagen verantwortlich, dessen System den Hackern vielleicht Angriffspunkte geboten hat? Oder müssen die Besitzer der Gebäude ihren Mietern den entstandenen Schaden ersetzen? Denn sie haben die Gebäude ja an das Smart-City-Netzwerk angebunden.

Kurz: smarte Städte ermöglichen eine bessere Übersicht und bessere Kontrolle über ihre Umgebung. Das heißt aber auch, sie müssen mehr für deren Schutz tun, ihre Risiken und Sorgfaltspflichtenpflichten werden größer. Deshalb sollten smarte Städte smarte Risikomanager und Anwälte beschäftigen, die entsprechend beim Entwurf neuer Gesetze und Rahmenbedingungen mitwirken. „Das ist nicht unsere Schuld“ ist im Ernstfall keine gute Ausrede.

Dr. Juergen Kraemer

Dr. Juergen Kraemer

Vice President bei Software AG
Dr. Jürgen Krämer leitet als Vice President bei der Software AG das Produkt Management für die Bereiche Apama Streaming Analytics und Universal Messaging. Darüber hinaus wirkt er federführend bei der strategischen Ausrichtung der Bereiche Internet of Things (IoT), Predictive und Big Data Analytics mit. Als erfahrener Entrepreneur und technologieaffiner Ideengeber befasst er sich mit dem Einsatz neuer Technologien, um Innovationen hervorzubringen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und deren nachhaltiges Wachstum zu fördern. Er ist Autor zahlreicher Publikationen in Journalen und Fachbüchern, Sprecher auf internationalen Konferenzen und ein strategischer Ratgeber in Business-Workshops.

Dr. Jürgen Krämer zählt laut Capital Magazin zu Deutschlands „Top 40 unter 40“ Talenten im Bereich Wirtschaft und ist seit 2013 Mitglied des BITKOM Management Clubs. Er studierte Diplom-Informatik mit Nebenfach Physik, promovierte an der Philipps-Universität Marburg in Informatik mit Auszeichnung, erhielt ein Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und eine Managementausbildung der European Business School. Zudem war er ein Gründer und der Geschäftsführer der RTM Realtime Monitoring GmbH, einem preisgekrönten Spin-off der Universität Marburg, das 2010 durch die Software AG übernommen wurde.
Dr. Juergen Kraemer

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